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NEWSFLASH • 28.03.2026

G7-Staaten geschlossen gegen Trump: Vorerst keine Unterstützung für US-Mission in Hormus

G7-Staaten geschlossen gegen Trump: Vorerst keine Unterstützung für US-Mission in Hormus

Die Außenminister von sieben EU-Staaten haben ihre gemeinsame Haltung erneut bekräftigt: Eine Mission zur Sicherung der strategisch bedeutsamen Straße von Hormus wird zwar befürwortet, jedoch erst dann, wenn die aktiven Kampfhandlungen im Iran eingestellt wurden.

Innerhalb der G7-Staaten herrscht Einigkeit darüber, dass die Meerenge – eine der weltweit wichtigsten Routen für Energieexporte – geschützt werden muss. Dieser Schutz soll allerdings erst nach dem Ende des aktuellen Krieges zwischen den USA, Israel und dem Iran greifen.


Druck aus Washington und die Blockade in Teheran

US-Präsident Donald Trump hatte den Druck auf die europäischen Partner zuletzt massiv erhöht, damit diese sich an der Sicherung der Wasserstraße beteiligen. Seit dem Ausbruch der Feindseligkeiten vor fast einem Monat hält Teheran die Meerenge faktisch geschlossen.

Zum Abschluss des G7-Treffens in Frankreich betonte der Gastgeber und französische Außenminister Jean-Noël Barrot am Freitag: „Innerhalb der internationalen Gemeinschaft gibt es einen sehr breiten Konsens darüber, das gemeinsame Gut der freien Schifffahrt zu schützen.“ Er fügte hinzu, dass man nicht in einer Welt akzeptieren könne, in der internationale Gewässer gesperrt werden – insbesondere, wenn diese Konflikte Länder treffen, die auf diesen Schifffahrtsweg angewiesen sind.


Planung für die Zeit nach dem Konflikt

Eine internationale Mission zur Eskortierung von Schiffen soll laut Barrot operativ werden, „sobald wieder Ruhe eingekehrt ist“. Dabei werde man in einer „strikt defensiven Haltung“ und im Einklang mit internationalem Recht agieren. Er zeigte sich überzeugt, dass dies aufgrund des Seerechts zwangsläufig geschehen müsse, warnte jedoch: „Mit jedem Tag verschlechtert sich die Lage, da der Schiffsverkehr vom Persischen Golf zum Rest der Welt komplett ausbleibt.“

Trump hatte die europäischen Verbündeten und die NATO-Mitglieder zuvor scharf angegriffen, da diese sich weigern, sofort eine Seemission in der Hochrisiko-Zone zu etablieren. „Ich bin schwer enttäuscht von der NATO, das war ein Test für das Bündnis. Ihr hättet uns helfen können“, erklärte er am Donnerstag und fügte drohend hinzu: „Wir werden uns daran erinnern.“


Drohungen in Richtung Ukraine

Bereits vor dem Treffen hatte US-Außenminister Marco Rubio angedeutet, dass das Weiße Haus sein Engagement zur Beendigung der russischen Invasion in der Ukraine überdenken könnte, falls Europa die Gefolgschaft verweigert. „Die Ukraine ist nicht Amerikas Krieg, und dennoch haben wir mehr beigetragen als jedes andere Land. Das ist ein Punkt, den der Präsident künftig berücksichtigen muss“, so Rubio.

Bei den Gesprächen in der Abtei von Vaux-de-Cernay bei Paris kühlte sich die hitzige Atmosphäre jedoch etwas ab. Rubio stellte klar, dass die USA ihre Verbündeten primär dazu aufforderten, eine multinationale Mission für den „Tag danach“ vorzubereiten – und nicht für einen sofortigen Einsatz im Kreuzfeuer. Diese Botschaft sei laut Rubio bei den Partnern gut aufgenommen worden.


Die Notwendigkeit von Eskorten

„Die ersten Tanker, die nach dem Ende der Operationen durch die Meerenge fahren, werden Eskorten benötigen, da sie sonst keinen Versicherungsschutz erhalten“, warnte Rubio. Er gab zu bedenken, dass Teheran auch nach den Feindseligkeiten versuchen könnte, eine dauerhafte Blockade aufrechtzuerhalten. Er forderte insbesondere die reichen und fähigen Nationen auf, die Verantwortung für die Sicherheit der Route zu übernehmen.

Der deutsche Außenminister Johann Wadephul zog ebenfalls eine positive Bilanz des Treffens. Die Stimmung sei „von Arbeit geprägt“ gewesen. Wadephul betonte: „Deutschland ist bereit, nach dem Ende der Feindseligkeiten eine Rolle bei der Sicherung des Schiffsverkehrs zu spielen.“ Ziel sei es, die Gemeinsamkeiten in diesem Streitpunkt weiter auszubauen. Insgesamt haben mehr als 30 Länder, darunter Italien, Großbritannien, Kanada und Japan, eine Erklärung unterzeichnet, in der sie ihre Bereitschaft zu „angemessenen Anstrengungen“ bekunden. Offen blieb jedoch, wie und wann diese konkret umgesetzt werden.


Risiken und politische Verflechtungen

Die Straße von Hormus ist geografisch hochkomplex. Untiefe Gewässer und das Gelände begünstigen die iranische Taktik mit Drohnen und Raketen, was die Passage für zivile Schiffe ohne Schutz unmöglich macht. Die Europäer scheuen jedoch die direkte Beteiligung an einem „heißen Konflikt“, auch weil die amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran in der europäischen Bevölkerung extrem unpopulär sind. Zudem belasten vergangene diplomatische Brüche, wie Trumps Versuch, Dänemark Grönland abzukaufen, das Vertrauen innerhalb der NATO.

Kaja Kallas, die Hohe Vertreterin, wies zudem auf die Verbindung zwischen den Schauplätzen hin: Moskau unterstütze Teheran mit Aufklärung und Drohnen für Angriffe auf US-Ziele. „Diese Kriege sind verknüpft. Wenn Amerika will, dass der Iran aufhört, sollten sie auch den Druck auf Russland erhöhen“, forderte sie.


Wirtschaftliche Folgen und diplomatischer Ausblick

Während Europa weniger direkt von Energieimporten aus dem Nahen Osten abhängt als Asien, sind die indirekten Folgen massiv. Der Ölpreis der Sorte Brent stieg zuletzt auf 110 Dollar pro Barrel. Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis warnte vor einem Stagflationsszenario, das das europäische Wachstum um 0,4 Punkte bremsen und die Inflation um einen Punkt nach oben treiben könnte.

Inmitten dieser Spannungen spielt auch die Diplomatie eine Rolle. Donald Trump hatte dem Iran ursprünglich ein 48-Stunden-Ultimatum zur Öffnung der Meerenge gesetzt und mit Angriffen auf die Energieinfrastruktur gedroht, diese Frist jedoch – angeblich auf Bitte Teherans – um zehn Tage verlängert. Der Iran wiederum sicherte den Vereinten Nationen zu, „nicht feindlichen“ Schiffen eine sichere Durchfahrt zu gewähren, was bei Reedereien jedoch weiterhin auf großes Misstrauen stößt.


Quelle: https://de.euronews.com/my-europe/2026/03/27/g7-us-mission-strasse-von-hormus